Rückblick Buenos Aires Marathon 2014

Erneut der größte Marathon Lateinamerikas

Der Buenos Aires Marathon zog auch 2014 erneut über 10.000 Läufer aus der ganzen Welt an. Die Zahlen sind unverfälscht, denn im Oktober gibt es nur den echten (42,195 km) Marathon und keine kürzeren Strecken, wo dann mancher Veranstalter alle Teilnehmer addiert und plötzlich 20.000 und mehr Starter nennt.

2014. Mein 9. Buenos Aires Marathon. Bereits ab 6.00 Uhr füllte sich der Startbereich in der Nähe des River Plate Stadions. Vor allem sind es Läufer aus Brasilien, Uruguay, Chile, Peru, Venezuela, Costa Rica, aber auch aus den USA, Frankreich, Spanien und Deutschland sind immer Läufer dabei. Der Streckenverlauf wurde erneut etwas verbessert. Zwar gibt es nun insgesamt drei kleinere Steigungen, dafür geht es längere Zeit über die Avenida 9 de Julio (breiteste Straße der Welt) und die Plaza de Mayo wird nun zweimal von unterschiedlichen Seiten her tangiert. Auch ist nun die Avenida de Mayo zwischen Plaza de Mayo und Avenida 9 de Junio Teil der Laufstrecke. Also geht es auch direkt am Café Tortoni vorbei.

Puerto Madero wird mehr als intensiv erlebt. Hier gibt es nun mehrere längere „Wendeschleifen“. Da kommen einem plötzlich Läufer entgegen, die 20 Minuten Vorsprung haben. Der Trost folgt dann aber, wenn man an gleicher Stelle die Läufer sieht, die entsprechend hinter einem liegen. Nach insgesamt fast 8 km  Puerto Madero passiert man den Terminal von „Buquebus“, wo die Fähren nach Colonia und Montevideo abfahren.

Es folgt nun die schwierigste Teilstrecke. In Retiro geht es nicht etwa links hinauf zur Plaza San Martín, sondern rechts herum in das Hafengebiet. Hier sieht man zwar hin und wieder den Río de la Plata, aber es ist nichts los. Parkende LKW und keine Zuschauer. Hier muss man positiv denken, also immer vor Augen führen dass die nächste Teilstrecke bereits der verlängerte Zieleinlauf ist.

Der Tunnel am Ende des Flughafens Aeroparque ist zwar noch einmal eine kleine Herausforderung, aber wenn man auf der anderen Seite hoch kommt, ist man bereits  im Palermo Park. Am Ende des Tunnels ist das Licht, im wahrsten Sinne des Wortes. Hier gibt es wieder Zuschauer und Rhythmus. Am Planetarium vorbei und rechts herum in die Avenida Figueroa Alcorta, Zielgerade! Auch wenn es noch 3 km sind, aber Zielgerade! Und dann nimmt wie überall auf der Welt die Geräuschkulisse zu und irgendwann sieht man das Schild „Llegada“ (Ziel). Geschafft. Die sportlichste City Tour und ein Erlebnis der unbeschreiblichen Art geht vorüber. Die Qual löst sich auf in Glücksgefühlen und obwohl es erst Mittag ist, weiß man, dass dieser Tag ganz besonders war. Im Zielbereich liegen und sitzen die meisten Läufer dann noch einige Zeit in der Sonne. Die Argentinier und Uruguayer trinken Mate.

Spektakulär war die sportliche Entscheidung des Marathons. Bis km 37 führten die beiden Kenianer Peter Muasya und Julius Karinga. Plötzlich kam von hinten der Argentinier Mariano Mastromarino (32) heran und übernahm völlig überraschend die Spitze. Dieses Bild war so ungewohnt dass selbst die Veranstalter vermuteten, dass eben dieser Mastromariano ein illegaler Eindringling in sei. Aus dem Auto heraus wurde er mit den Worten : “Sali de la carrera, correte! Not e metas que es una carrera!“ („Geh aus dem Rennen, hau ab! Das ist ein Rennen!) zum Verlassen der Strecke aufgefordert. Zum Glück konnte er glaubhaft machen, dass er kein Eindringling sei und so gewann das erste Mal nach 10 Jahren wieder ein Argentinier einen Buenos Aires Marathon. Das war natürlich sehr peinlich für die Veranstalter, denn man sollte wenigstens die Elite seines eigenen Landes kennen und ihr auch mal etwas zutrauen!

Wir waren diesmal mit 5 Läufern am Start, drei davon wurden von ihren Frauen tatkräftig an der Strecke unterstützt. Besonders hervorzuheben ist sicher Eberhard Bock aus Berlin, der als fast 73-jähriger den Marathon ganz locker lief. Sehr interessant ist seine Geschichte, wie und wann er zum Marathon kam.
Lest seine interessante Story am Ende des Rückblicks

Wie immer waren wir auch dieses Mal eine tolle Gruppe. Claudia und Jürgen sowie Antje und Volker aus Bergisch-Gladbach, Heinke und Eberhard aus Berlin und Alexander aus der Schweiz, der aber nur in Buenos Aires dabei war.

Nach dem Marathon flogen wir wie jedes Jahr ins subtropische Puerto Iguazú und konnten uns bei angenehmen Temperaturen gut erholen. Die größten Wasserfälle der Welt hautnah zu erleben und dabei all die exotischen Tiere und Pflanzen zu sehen, lassen den Marathon fast schon wieder in Vergessenheit geraten. Aber so sollte es ja auch sein: der Marathon als am Ende einer von vielen Höhenpunkten einer tollen Reise.

Die Bergisch-Gladbacher hatten die Laufreise wie ausgeschrieben mitgemacht, während Familie Bock nach Iguazú noch viele weitere Reiseziele in Argentinien und Chile bereiste. Höhepunkte waren dabei die Andenüberquerung mit Bus und Schiff von Bariloche (Argentinien) nach Puerto Varas (Chile), Trekkingtouren im Nationalpark Torres del Paine und El Chaltén sowie Feuerland und El Calafate…

So kann eine Laufreise zum Buenos Aires Marathon aussehen und wer fit ist, kann sich auch  mit über 70 Jahren daran erfreuen. Lasst es uns Ansporn sein J

Viele Grüße,

Euer Fred

 

 

 Der Vollständigkeit halber:

MEN TOP 6                                                         WOMEN TOP 6

1.      Mariano Mastromarino    ARG 2:15:28          Lucy Karimy                       KEN 2:38:53

2.      Leslie Encina                 CHI   2:18:43          Zeytuna Mude                    ETH 2:39:18

3.      Christopher Guajardo     CHI  2:18:44          Rosa L. Godoy                   ARG 2:44:04

4.      Peter Muasya                KEN  2:19:08          Valeria Sesto                     ARG 2:50:38

5.      Julius Karinga                KEN 2:20:04          Maria Ovejero                    ARG 2:51:36

6.      Martin Cuestas             URU 2:21:23          Paola Kung                        PER  2:54:38

 


Willkommen in Buenos Aires, Argentinien! Hier auf der Avenida 9 de Julio führt der Marathon entlang... Die Vorfreude steigt.

Seit 2005 ist sie bereits eine gute Tradition: die gemeinsame Bike Tour durch Buenos Aires, um ein Gefühl für diese Stadt zu bekommen.

Diesen "Hotspot" werden wir in zwei Tagen noch einmal passieren. Es ist die so genannte Bombonera, das Stadion von Boca Juniors.

Am Sonnabend fuhren wir zur Expomaraton in den Stadtteil Palermo, um unsere Startunterlagen abzuholen.

Die Streckenkarte ist immer ein beliebtes Hintergrundmotiv.

Die Abholung der Startunterlagen ist gut organisiert und nicht zu vergleichen mit 2005, als es recht chaotisch zuging.

Jüregn, Volker, Eberhard, Alexander und Fred im Startbereich

Kurz nach dem km 9 bogen wir von der Avenida 9 de Julio in die Avenida Corrientes ab.

Hier geht es in die Avenida de Mayo. Im Hintergrund das Cabildo

Plaza de Mayo und Regierungspalast Casa Rosada

Hier sieht man gut drei völlig verschiedene Levels. Die Läufer ganz oben in der Mitte werden den Bildausschnitt ganz vorn erst in etwa 25 Minuten erreichen.

Man könnte meinen, der Läufer vorn hätte bei all den Wendeschleifen in Puerto Madero bereits die Orientierung verloren. 



Geschafft! Eine der spektakulärsten Stadtbesichtigungen ging nach genau 42,195 km zu Ende.

Am Tage darauf fanden wir die verdiente Erholung im Hotel Saint George, in den Subtropen.

Vor dem Abendessen des ersten Tages unternahmen wir einen Spaziergang zum Drei-Länder-Eck, wo der Río Iguazú in den Río Paraná mündet.

Die Iguazú-Wasserfälle, immer wieder gigantisch!

Es sind aber nicht nur die 365 Wasserfälle allein, die so phantastisch sind, sondern auch die exotische Tier- und Pflanzenwelt.

Eberhard und Volker

Unsere Gruppe- Danke von mir an dieser Stelle, es war sehr schön mit euch, wegen euch.



Abendessen im Hotel

Eberhard und Heinke reisten anschließend individuell durch Argentinien und Chile. Dabei erlebten Sie noch viele weitere Tage. Hier ein Foto von ihnen aus Patagonien.

Video vom Buenos Aires Marathon 2014

Wie Eberhard im Alter von 61 Jahren mit dem Laufen begann

Thema Marathon-Laufen, wie und wann

 

Es war im Jahr 2001, als mich ein Freund nach jahrelanger Bearbeitung endlich soweit hatte, mit ihm zusammen im September 2002 den Berliner Marathon zu laufen. Er lief bereits seit 1996 und war sechs Jahre jünger. Ich war damals knapp 60 Jahre alt, sicher nicht das passendste Alter, sich auf eine solch extreme Sportart einzulassen.

Bislang hatte ich nur Erfahrung im 7 km Dauerlauf gewonnen. Zur Konditionssteigerung für geplante Treckingtouren durch den Himalaya sind wir seit 1986 einmal wöchentlich auf einer ausgedienten bis zur Berliner Mauer führenden Eisenbahnstrecke ca.7 km gelaufen.

Eine sportärztliche Untersuchung mit einem Laufbandtest bescheinigte mir, dass gegen meine sportlichen Ambitionen nichts einzuwenden sei. Unser Vorbereitungsprogramm bestand aus bis zu 4 Läufen pro Woche, meist starteten wir bereits zwischen 5 und 6 Uhr morgens – je nach Sonnenaufgang im Frühjahr, Sommer und Herbst. In der winterlichen Dunkelheit waren wir mit einer Stirnlampe ausgerüstet .Wir liefen zunächst nur auf einem Teilstück des geteerten Berliner Mauerwegs. Zwischen 1 und 2 Stunden waren wir morgens auf der Strecke, so dass wir auf jeden Fall immer pünktlich um 8 Uhr unseren beruflichen Verpflichtungen in der Stadt nachgehen konnten. An den Wochenenden führten wir im Wechsel die länger dauernden Läufe von 2 bis 3 ½ Stunden Dauer auf Waldböden durch und achteten darauf, dass unsere Vorbereitung stets abwechselnd Intensität und Lauf-Dauer sowie nach 3 Wochen eine Erholungsphase berücksichtigte. Die Aufrechterhaltung unseres ehrgeizigen Zieles erforderte ein Höchstmaß an Laufdisziplin von uns, zumal wir beide eine mindestens 50 Stunden Arbeitswoche zu bewältigen hatten.

Der erste Marathonlauf meines Lebens im September 2002 war für mich ein phantastisches Ereignis, auch wenn ich ‚nur‘ die gelaufene Zeit von 5 Stunden und 17 Minuten zugrunde lege. Ich erlebte je näher ich dem Ziel zustrebte ein unglaubliches Hochgefühl, das auch nach dem Lauf geraume Zeit andauerte. Trotz kurzer Ruhephase und Stretchingübungen konnte ich mich eine Woche lang kaum bzw. nur unter erheblichen Einschränkungen – eine Art Muskelkater – treppauf- und treppab sowie auch über ebenerdige Wege bewegen. Trotz dieser Nachwehen motivierte mich der Erfolg in der Weise, mir auch einen weiteren Marathonlauf im nächsten Jahr zu planen und somit arbeiteten wir erneut auf den Berliner Marathon 2003 hin, nahmen zwischenzeitlich noch diverse 10 km Wettbewerbsläufe und ein Halbmarathon in Berlin als Übungseinheit mit. Im Herbst 2003 lief ich dann schon wesentlich flotter und erzielte eine Zeit knapp über 5 Stunden.

Zur damaligen Zeit hatte der RBB (Rundfunk Berlin Brandenburg) eine sog. RBB-Laufbewegung ins Leben gerufen, die Jugend und Erwachsene zum Laufen –mindestens 1x in der Woche – animieren sollte. Die Initiatoren warben bereits im Januar für eine Teilnahme am New York Marathon im November 2003. Mit ca. 170 Personen flogen wir zum New York-Marathon. Es war für uns ein unglaubliches Erlebnis, auf diese Weise eine Mega-Stadt zu erlaufen und gleichzeitig auch kennen zu lernen: von der Verrazano-Narrows-Bridge auf Staten Island, durch fünf Stadtteile, über fünf berühmte Brücken. Während des Laufens schoss ich mit einer Minikamera Schnappschüsse, die mich die Stadt, das Ambiente und die anfeuernden Zuschauer nicht vergessen ließen. Die Reise nach New York hielt für mich eine weitere Überraschung im Gepäck bereit. Der Organisator der Reise verloste unter den Reisegruppe-Teilnehmern in einer nicht öffentlichen Tombola und ohne unser Wissen eine Marathon-Reise nach Hawaii. Das Los fiel auf mich. Ich löste diesen Gutschein für einen kostenlosen, einwöchigen Hawaii–Aufenthalt im Dezember 2004 ein. Mit meiner Frau zusammen machte ich daraus 14 Tage. Es war ein famoses Erlebnis, auf solche Weise das Archipel und in besonderer Weise Honolulu kennen zu lernen, durch das weihnachtlich geschmückte Waikiki, über den Diamond Head (Vulkan) zu laufen Zuvor war ich bereits im Mai 2004 in Paris und im September zum dritten Mal in Berlin am Marathonstart gewesen. Allmählich geriet das Marathonlaufen zum „Selbstläufer“. Ich empfand es als inneren Gewinn und Bereicherung, 2x im Jahr auf Kontinenten, in Ländern und Metropolen zu laufen, die mir noch unbekannt waren. ‚Laufend‘ habe ich die Welt kennengelernt:

Die Rennen in London, Wien, Kapstadt („Two Ocean“ Ultramarathon, 56 km, mit zweimaligen Steigungen auf ca.700 m Höhe), Athen (auf der Olympiastrecke 12 km hinter Marathon ein unentwegtes Aufwärtslaufen bis km 30), Venedig, Barcelona, Reykjavik, Malta, Lissabon, Sidney, Amsterdam, Prag, Brüssel, Tokyo (Ende Februar 2011, Abreise am Tag des verheerenden Erdbebens), Riga, Edinburgh, Warschau, Mallorca, Jerusalem (im März 2014 kurz vor der kriegerischen Entwicklung im Nahen Osten) und zuletzt am 12.Oktober in Buenos Aires konnte ich bislang auf meine „Marathonfahne“ schreiben. Bedingt durch hervorragende Organisation von Seiten der Reisefirma Reallatino, Inh.Fred Becker, hatte ich nicht nur das besondere Erlebnis eines gelungenen Marathons auf südamerikanischem Boden, sondern zusammen mit meiner Frau das Erlebnis einer insgesamt traumhaften 4-Wochen Tour durch Argentinien und Chile-Patagonien.

Nach den 13 Jahren meiner bisherigen „Marathon-Karriere“ komme ich zu dem Resumee, dass gezieltes und ständiges Laufen meiner Konstitution, meinem körperlichen und mentalem Wohlbefinden ungemein bekommen ist. Das Laufen stimuliert und sein Erfolgserlebnis motiviert in unglaublicher Weise. Es kann beglückend und anregend auch auf die Tagesarbeit und den Alltag abfärben.

Meine besten Laufergebnisse vollbrachte ich an Orten, deren Strecken besonders von Anstiegen und  gleichermaßen von Gefälle gekennzeichnet waren: Zwischen 4h 26 Minuten und 4h 36 Minuten bewegten sich meine Laufergebnisse in Lissabon ,Brüssel und Athen. Auch das Ergebnis in Jerusalem (4h 49Min.) empfinde ich meinem  Alter (72 Jahre) entsprechend angemessen, die Strecke wechselte permanent, steilem Anstieg (fast 700 m hoch) folgte bald die Abwärtsstrecke.

Generell aber hält sich mein Ehrgeiz bezüglich des Laufergebnisses in Grenzen. Natürlich freue ich mich, dass ich ab 2004 erheblich unter 5 h gelaufen bin, dass mein Laufrhythmus sich gleichmäßig entwickelt hat. Spätestens alle 3 Jahre lasse ich mich von einem Sport- und Herzmediziner auf meine Leistungsfähigkeit und meinen Herzzustand untersuchen. Ein erfahrener Kardiologe empfiehlt mir, solange zu laufen, solange es mir gut bekommt. Das darf und soll durchaus so bleiben. In den nächsten Jahren möchte ich mir noch einige Laufwünsche erfüllen: beispielsweise den Lauf am nördlichen Polarkreis in der Mitternachtssonne bei Tromsö in Norwegen, den Marathon in Stockholm, vielleicht den Lauf über das Eis des Baikalsees und andere mehr. Mit diesen Schlussbemerkungen möchte ich keinen überheblichen Eindruck vermitteln, jedoch bekräftigen, dass mir das kontinuierliche Laufen weiterhin Ansporn ist, und ich gerne andere zu einem solchen Schritt animieren möchte.

 

eb

 

 

CMT 2018